Veröffentlicht am: 28. Februar 2021

Vom Umgang mit Enttäuschungen

Enttäuschung ist ein Geschenk.

Was für ein Unsinn ist das denn, magst Du nun vielleicht denken. Enttäuschung tut weh, insbesondere wenn man von einem Menschen enttäuscht wird, der einem nahe steht oder gar liebt. Trotzdem behaupte ich: Enttäuschung ist ein Geschenk oder wenigstens kann sie zu einem Geschenk werden. Es ist wichtig und lehrreich, richtig mit dem Gefühl der Enttäuschung umzugehen!

Das Geschenk der Enttäuschung ist es, uns in die Realität zurückzuholen, damit wir nicht in einem Bereich stecken bleiben, wie Dinge gewesen sein könnten. Was ist damit gemeint?

Wann immer wir etwas im Leben tun, mit einer Erwartung, wie das Geschehen ausgehen soll, riskieren wir eine Enttäuschungen. Wenn die Dinge nicht so laufen, wie wir es uns vorgestellt haben, können wir eine Reihe von Emotionen spüren, von leicht enttäuscht bis extrem wütend. Unter Umständen, je nachdem was oder wer uns enttäuscht hat, kann es sogar im schlimmsten Fall zu Depressionen führen.

Lass die Emotion der Enttäuschung zu

Wir können unsere Gefühle nach innen auf uns selbst oder nach außen auf andere Menschen richten. Ob wir von uns selbst, einem Freund oder dem Leben im Allgemeinen enttäuscht sind, Enttäuschungen bringen ein schweres, unbefriedigendes Gefühl in uns hoch. Oftmals geht mit der Enttäuschung das Gefühl oder der Eindruck einher versagt zu haben, die Kontrolle über sich selbst oder eine Situation verloren zu haben. Dennoch sind Enttäuschungen ein natürlicher Teil unseres Lebens und es gibt Möglichkeiten, mit dem Gefühl der Enttäuschung umzugehen, wenn wir uns in dessen Gegenwart befinden.

Wenn wir Enttäuschungen in unserem Leben betrachten und wie wir mit ihnen umgegangen sind, können wir sehr häufig eine interessante Feststellung machen. Auf lange Sicht ist das Ergebnis der Enttäuschung besser als das, was wir vorab als Erwartung an die Situation oder die Person hatten. Klingt das skurril oder ist da möglicherweise doch etwas Wahres dran?

Jeder von uns hat doch vermutlich schon mal eine Enttäuschung in einer Partnerschaft erlebt. Vielleicht wurden wir betrogen, hintergangen, belogen oder getäuscht. Warum er, warum sie, warum ich, hast Du Dich vielleicht gefragt. Wie kann er mir das antun? Wieso hat sie mir nicht die Wahrheit gesagt? Warum habe ich der Person solange etwas vorgemacht, obwohl ich schon lange wusste, das es aus ist?

Enttäuschung ist die Brücke zur Realität

Ja, es tut weh, schmerzt, bohrt, ärgert und macht wütend. Doch das wirklich Schöne an einer Enttäuschung ist, dass sie uns eine Brücke zur anderen Seite schlägt. Dort wo die Akzeptanz der Realität, der Weisheit und der Energie uns die Möglichkeit bietet, wieder von vorne anzufangen. In einigen Fällen ist das, was passiert ist, auf lange Sicht tatsächlich sogar besser als das, was wir ursprünglich erwartet haben. 

Wie bei jedem Gefühl ist die Enttäuschung aus einem bestimmten Grund zu uns gekommen. Wir müssen keine Angst oder Scham haben, diese Gefühl anzuerkennen und zu spüren. Je mehr wir akzeptieren können, wie wir uns fühlen und diese Situation verarbeiten, desto eher werden wir neues emotionales Territorium betreten. Der häufigste Umgang mit Enttäuschung ist, dass wir uns selbst bemitleiden und im außen nach Trost suchen. Das kann schnell zu einer Endlosschleife werden, die uns nicht weiterbringen wird.

Enttäuschung – Ein Prozess in drei Akten

Ein anderer Umgang mit Enttäuschung ist, wenn wir uns einmal hinsetzen, um ganz bewusst unsere Enttäuschung zu spüren. Zuweilen hilft es ungemein über die Erfahrung der Enttäuschung zu schreiben – über die Situation, die davor war, was wir uns erhofft hatten und was passiert ist. Hat sich dadurch vielleicht schon eine andere Sicht auf die Umstände für Dich ergeben können? Nein? Dann gehen wir noch einen Schritt weiter. 

Versetzen wir uns in die Person oder die Situation, die uns enttäuscht hat und versuchen die Sicht der Dinge aus dieser anderen Perspektive zu beleuchten. Notiere Dir alles, was Dir in den Sinn kommt. Jede kleinste Kleinigkeit kann ein Mosaiksteinchen sein, um Dich weiterzubringen. Was könnte er oder sie veranlasst haben so zu handeln, dass Dich so schmerzlich verletzt hat?  War es Absicht oder unüberlegtes Handeln? Wie konnte es überhaupt aus diesem Blickwinkel zu dieser Situation kommen? Wie siehst Du als fremde Person, in der Du jetzt steckst, auf Dich selbst? Welchen Anlass könntest Du vermittelt haben, dieser Person die Gelegenheit zu geben, ‚falsch‘ gehandelt zu haben? Versuche Dich genau auf die Person und die Situation einzulassen. Versuche Deine eigenen Gefühle dabei komplett auszublenden. Wie bei einer Rolle in einem Hollywood Film, wirst Du zu der anderen Person, versuchst wie sie zu fühlen und zu handeln. Und stelle Dir wieder die Frage, hat sich durch diesen Blickwinkel eine andere Sicht auf die Umstände ergeben und beantwortet Dir ungeklärte Fragen? Nein – dann gehen wir einen weiteren Schritt.  

Schlüpfe jetzt in die Rolle des unbeteiligten Zuschauers. Du weißt ja nun wie das funktioniert und machst das richtig gut. Stell Dir vor, wie du an der Seitenlinie stehst und beobachtest, was genau geschehen ist. Schreib es unbedingt wieder auf, jedes Detail ist wichtig. Schau auch mal von oben auf die Situation herunter. Wie ein Adler schwebst Du jetzt über der Situation. Du siehst möglicherweise noch andere Personen und Dinge, die wichtig sind – aber vielleicht hast Du sie ja in Deiner Rolle übersehen oder vergessen. Ja, die ganze Situation ist sehr abstrakt und es dauert eine Weile, bis Du Dich in diese Rolle reinfinden kannst. Wenn es nicht beim ersten Mal klappt, erzwinge es nicht und lass Dir Zeit. Vielleicht meditierst Du, vielleicht triffst Du liebe Freunde oder möglicherweise schafft es ein gutes Buch oder ein Film Dir Ablenkung zu verschaffen. Gehe erst wieder in die Situation, wenn Dir danach ist und Du ein gutes Gefühl dabei hast. Lass Dir Zeit und gehe von Person zu Person, von Detail zu Detail. Stelle Fragen, die Du Dir selbst noch nicht gestellt hast.

Im Einklang mit der Realität

So wirst Du feststellen, dass das Geschenk der Enttäuschung die Fähigkeit ist, Dich mit der Realität in Einklang bringen zu können. Die Realität ist nur selten das, was Du alleine siehst, fühlst, empfindest oder tust. Die Realität hat viele Facetten und Gesichter und Deine Realität ist nicht zwangsläufig die Realität Deiner Mitmenschen. Wenn Du es mit der Übung, die ich Dir beschrieben habe, schaffen kannst, Deine Realität zu überprüfen, kommst Du bestenfalls in die Lage, nicht zu lange im Bereich der alten Denkmuster und Glaubenssätze verhaftet zu sein, die Dich glauben lassen, wie die Dinge gewesen sein könnten.

Möchtest Du mehr über den Umgang mit Enttäuschen erfahren, dann schreibe mir. Ich freue mich!

Dein

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